Patrick, 44 Jahre alt. Ein Mensch mit einer schweren Behinderung. Das rechte Bein ist von Geburt an deformiert. Die gesamte rechte Körperhälfte ist nicht so, wie sie sein sollte. „Ich kämpfe für meine Stellung“, sagt er. Er will nicht besonders behandelt werden…aber auch nicht ausgegrenzt. Patrick muss sich stets auf’s Neue beweisen. Er liebt Sport, hat ungefähr alles gemacht…trotzt oder gerade wegen seiner Behinderung. Mit 24: Einstieg in den Kraftsport. Auch hier packt ihn der Ehrgeiz. Er will mehr. Körperliche Grenzen austesten. Und Patrick trifft eine verhängnisvolle Entscheidung: Er greift zu Anabolika…vom Schwarzmarkt und spritzt sich selbst so genannte „Kuren“.
Anabolika…etwas, was Patrick schwer geschadet hat. Aber, das wollte er nicht wissen, als er das Zeug vom Schwarzmarkt bekam. Für ihn war es Spannung und Abenteuer pur. Patrick spritze und trainierte…immer härter und immer mehr. Im Bankdrücken schaffte er plötzlich das Doppelte seines Körpergewichtes. Ungeahnte Kräfte…Patrick im Höhenrausch. Keine Grenzen mehr für einen Menschen, der sich selbst so beweisen wollte, dass eine Behinderung nicht zählt, wenn man nur stark genug ist.
Nach einem Jahr dann die Schmerzen: immer stärker, immer unerträglicher. Patrick ist hart im Nehmen. Hartes Training trotz unerträglicher Schmerzen. „Ich wollte das, was ich erreicht hatte, nicht verlieren“, sagt er. Der äußere Muskelpanzer wird zur lebensgefährlichen Sucht…
Patricks Zusammenbruch: Knochsplitter, zertrümmerte Gelenke. Durch die Anabolika hat er seinem Körper weit mehr zugemutet als menschliche Knochen überhaupt aushalten können. Ständige OP’s. Arbeitsunfähigkeit. Dauerhaftes Fehlen im Job. Und dann der blanke Horror: ein Knoten in der Brust. Verdacht auf Brustkrebs. – Patrick erwacht aus seinem blinden Muskelrausch…
Patrick verliert seinen Job als sein Chef stirbt. Es ist sein Traumjob: Material-Prüfmaschinen-Techniker. Seitdem ist Patrick arbeitslos…aber nicht mutlos. Er will wieder ran…richtig ran. Sein Ehrgeiz und seine Leistungsbereitschaft brauchen keine Anabolika. Er braucht einen Job, einen Job, der ihn fordert und herausfordert.
Allerdings droht leider auch die Amputation seines behinderten Beines. Eine schwere Entscheidung liegt vor ihm. Auch, wenn sein rechtes Bein von Geburt an stark deformiert ist und ihm ständig Probleme macht, sagt er zu Recht: „Es ist mein Bein. Ich kenne es nicht anders.“
Doch Patrick ist stark. Noch stärker geworden. Er trainiert wieder mit Lust und Spaß…und ohne künstliche Zusätze, die aus der Spritze kommen. Er ist leistungsstark.
Ich wünsche ihm von Herzen eine neue berufliche Aufgabe. Vielleicht liest es ja ein Firmenchef hier, der jetzt ganz spontan sagt: „Diesen Patrick könnten wir in der Firma gebrauchen“. Natürlich leite ich mögliche Angebote sofort an ihn weiter…