Trennung... und was Lebensgemeinschaften mit und ohne Trauschein unbedingt beachten müssen

2. Sendung vom 02.05.08

Etwa jede zweite Ehe wird in Deutschland geschieden
Bei mehr als 200.000 Scheidungen jährlich müssen sich demnach über 400.000 direkt betroffene Menschen Jahr für Jahr aufs Neue mit ihrer eigenen Scheidung beschäftigen. Dazu kommen noch rund 170.000 Kinder, die jährlich von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Geht man davon aus, dass eine Scheidung sich in aller Regel über Jahre hinzieht, dürften es Millionen von Deutschen sein, die sich aktuell mit ihrer eigenen Scheidung herumschlagen. Für viele ist es – neben all den auftretenden persönlichen Problemen ein Weg in den sozialen Absturz.
 
Frauen haben es öfter satt
Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 213.690 Ehen rechtskräftig geschieden - allein 86 Prozent davon in den alten Bundesländern. Damit steht die stetig wachsende Zahl der Scheidungen einer ebenso stetig sinkenden Zahl an Eheschließungen gegenüber. Und immer öfter sind es die Frauen, denen die Lust aufs Eheleben abhanden kommt. Allein 2004 wurde in 56,4 Prozent der Fälle die Scheidung von der Ehefrau eingereicht. Die Trennungsstatistik macht auch vor reiferen Jahrgängen nicht halt: In knapp zwei Dritteln aller Fälle werden ältere Männer von ihren jüngeren Ehefrauen geschieden - Paul McCartney und Heather Mills sind mit ihrem Ehe-Aus also keine Ausnahme.
 
Bevor es losgeht, mit der Scheidung ein letzter Versuch durch…Mediation
Vor dem Scheidungsrichter erleben Paare, dass über sie verhandelt wird. Beim Mediator handeln sie selbst etwas miteinander aus. So einfach erklärt Birgit Johannsen, Mitbegründerin des "Hamburger Instituts für Mediation" den Sinn jenes Konfliktvermittlers, der heute immer häufiger von Scheidungspaaren in Anspruch genommen wird. Denn der Mediator ist als neutraler Dritter Interessenvertreter beider Parteien. 
Diese Fehler können zum Ruin führen:
 
Geschenke
Ohne Ehevertrag kann selbst die Schenkung eines Baugrundstückes durch die (Schwieger)-Eltern zur Kostenfalle werden. Das gilt im Scheidungsfall als „gemeinsames Vermögen“ – muss bei der Scheidung (finanziell) aufgeteilt werden.
 
Meine Wohnung – deine Wohnung
Besaß er eine Wohnung, die beide gemeinsam nutzen, muss er es akzeptieren, dass sie – wohlmöglich mit dem gemeinsamen Kind – diese (Ehe-)Wohnung noch jahrelang nutzt.
Gerichte entscheiden so, wenn sie „existenziell auf die Weiterbenützung angewiesen“ ist, oder gemeinsame Kinder einen „berücksichtigungswürdigen Bedarf“ haben. Er darf ausziehen. Und beide Wohnungen, für sich und sie bezahlen…
 
Albtraum Eigenheim
Junge Liebe, Kinder unterwegs und alles Geld wird ins eigene Haus gesteckt. Wenn’s jetzt knallt, knallt es richtig. Für solche Scheidungen ist typisch, dass es praktisch nur einen einzigen Vermögensgegenstand gibt, nämlich das Haus. Meist erhält sowieso die Frau vom Gericht erstmal die Nutzung des Hauses zugewiesen - und das kann recht lange sein (siehe auch Fehler 2). Doch auch, wenn sich beide einigen, ist im Normalfall davon auszugehen, dass keiner mehr genug Geld hat, um den anderen für den Verlust des halben Hauses zu entschädigen. Das einzige Vermögen steckt im Mauerwerk, denn jeder Cent des Ersparten, aufgenommene Kredite, alles ist ins Haus geflossen. Was bleibt ist ein rascher Verkauf der Immobilie samt anschließender Aufteilung des Erlöses. Meist liegt der Verkaufspreis auch noch deutlich unter dem Verkehrswert - und am Ende haben beide verloren." Die Immobilienanzeigen der Wochenendausgaben sind eine wahre Fundgrube für solche Dramen.
 
Unternehmerehepaare – der Bund für die Hölle
Haben Eheleute ein gemeinsames Unternehmen aufgebaut; sind gleichberechtigte Gesellschafter und haben für den Fall einer Scheidung keine Vereinbarung getroffen, kann kein Gericht der Welt eine Aufteilung verfügen. Sie können sich, wenn sie sich nicht einigen, den Rest ihres Lebens das selbige zur Hölle machen.

Waffe Schwarzgeld
Schwarzgeld ist im Falle einer Scheidung eine sehr scharfe Waffe. Doch wenn der Kampf losgeht, sollte der Herausforderer gerüstet sein, denn es gilt natürlich die Maxime "Schnelligkeit ist Trumpf". Wer rascher am Konto ist, hat diese Runde gewonnen. Die zweite Runde gewinnt dann in aller Regel der Verlierer der ersten Runde – ein zarter Hinweis ans Finanzamt vom genatzen Ehepartner kommt jährlich in Tausenden Fällen vor. Tipp vom Experten: Eine Anzeige beim Finanzamt sollten immer anonym erfolgen. Kann sie zum Ehepartner zurückverfolgt werden, macht er sich selber strafbar…
 
Was verdient eigentlich mein Mann – oder: Die ahnungslose Ehefrau
Noch immer wissen viele Ehefrauen nicht, wie viel ihr Göttergatte eigentlich verdient.
Diese Frauen sind bei einer Scheidung die klassischen Opfer. Und die Gerichte sind nicht hilfreich: Kommt es dann zu einer einvernehmlichen Scheidung, willigt die Frau oft schnell in eine Vereinbarung ein, ohne dass der Ehemann sein Einkommen offen legen muss. Ist die Scheidungsvereinbarung erst einmal unter Dach und Fach, ist es nur noch schwer möglich sie anzufechten. Sich einfach nicht informiert zu haben, lässt das Gericht nicht als Grund gelten. Arglistig getäuscht wäre eine Ehefrau, der der Mann eine gefälschte Lohnbescheinigung zeigt. Nennt er ihr hingegen nur ein zu niedriges Gehalt, hat sie keine Chance: Ihr würde vom Gericht vorgeworfen werden, sich nicht anständig informiert zu haben.
 
Nicht auf Unterhalt verzichten!
Ehefrauen, die lange „nur“ Hausfrau und Mutter waren, sollten auf keinen Fall auf Unterhalt verzichten, auch wenn sie nach der Scheidung einen Job haben. Ihnen fehlen die Jahre der Einzahlung aufs Rentenkonto. Mit Hilfe der Unterhaltszahlungen des geschiedenen Mannes können sie sich aber noch eine Grundsicherungs-Rente aufbauen.
 
Buchtipps:
Warum Männer nur das eine denken und Frauen das andere:
" Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du Knoblauch essen" von Paul Watzlawick
"Der kleine Beziehungstherapeut" von Howell & Jones
"99 Methoden in der Partnerschaft zu scheitern" von Friedrich Ingwersen
"Wie manipuliere ich meinen Partner - aber richtig" von Rainer Sachse
Konflikte im Alltag:
"Verhandeln im Grenzbereich", "Der Verhandlungsführer" von Matthias Schranner
"Konfliktsituationen im Alltag" von Bernd Zieschang und Wolfgang Thielke
"Konfliktmanagement" von Friedrich Glas
Trennungskonflikte:
"Liebe Mama, böser Papa" von Gabriele ten Hövel
"Das Pariental Alienation Syndrom" von Wilfried von Boch-Galhau
Persönlichkeitsentwicklung:
"Die sieben Wege zur Effektivität" von Stephen Covey

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Rechtsanwältin Katrin Grashoff

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Ina Simon

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